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Im Zeit-Raum: Koran, Islam und Islamismus

Dienstag, 25. April 2017

Johannes Kaup im Gespräch mit dem deutsch-ägyptischen Publizist und Politikwissenschafter Hamed Abdel-Samad und dem Islamwissenschafter Mohamed Bassan Kabbani.

Medial wird der Islam meist in Zusammenhang mit dem Kopftuch, mit angeblicher Integrationsunwilligkeit, rückwärtsgewandter Pädagogik, der Flüchtlingsfrage und nicht zuletzt mit dschihadistischem Terror gebracht. Hinter der Vermischung dieser Themen, die bei genauerer Betrachtung wenig miteinander zu tun haben, steht wohl auch eine große Angst vor dem Islam. Die Klammer, auf die immer wieder Bezug genommen wird, ist der Koran. Hier sind Texte von Liebe, Weisheit und Mitgefühl ebenso zu finden wie Suren, die zu Rache und Krieg gegen Andersgläubige aufrufen. Die Anhänger der Terrororganisation IS rechtfertigen ihre Gräueltaten mit Suren aus dem Koran. Wie ist das möglich?

Der deutsch-ägyptische Publizist und promovierte Politikwissenschafter Hamed Abdel-Samad plädiert dafür, den Koran vom Sockel der Unantastbarkeit zu holen, dann würden nicht mehr Dschihadisten das Bild des Islam prägen, sondern jene Musliminnen und Muslime, die die religiös-spirituelle Substanz des Islam leben, die von Friedfertigkeit, Mitgefühl und Toleranz gekennzeichnet ist. Gleichwohl unterstützt Abdel-Samad die reformatorisch-humanistischen Ansätze des österreichischen Theologen Mouhanad Khorchide, mit dem er das Buch "Ist der Islam noch zu retten? Eine Streitschrift in 95 Thesen" geschrieben hat. Hamed Abdel-Samad wurde 1972 nahe Kairo als Sohn eines sunnitischen Imams geboren, war zunächst Islamist, wurde dann aber zu einem der profiliertesten
Islamismus-Kritiker. Er arbeitete für die UNESCO, am Lehrstuhl für Islamwissenschaft der Universität Erfurt und am Institut für Jüdische Geschichte und Kultur der Universität München. Nach der Publikation seines Buches "Der islamische Faschismus" wurde in Kairo eine Todes-Fatwa gegen ihn ausgesprochen, seither muss er permanent unter Polizeischutz leben.

Mohamed Bassam Kabbani wurde 1965 in Aleppo/Syrien geboren. Er studierte zunächst Elektrotechnik, wandte sich dann aber dem Studium der Islam- und Religionswissenschaft zu. Der promovierte Islamwissenschafter ist Koordinator an der KPH Wien für die Fortbildung der Islamlehrer und Islamlehrerinnen im Raum Wien und dem Burgenland. Kabbani wirkt außerdem als Lektor am Institut für Orientalistik der Universität Wien.

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Im Zeit-Raum: Koran, Islam und Islamismus
Dienstag, 25. April 2017
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