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20 Jahre RadioKulturhaus! Igudesman & Joo: And Now Mozart

Mittwoch, 31. Mai 2017

Anlässlich 20 Jahre RadioKulturhaus gastierten die virtuosen Comedy-Stars Igudesman & Joo im Großen Sendesaal.

Seit 13 Jahren gehen Aleksey Igudesman und Hyung-ki Joo mit ihren virtuosen Comedy-Shows auf liebevolle Konfrontation mit der herrschenden klassischen Aufführungspraxis. Zum 20. Geburtstag des RadioKulturhauses gastiert das Duo mit seinem Programm "And Now Mozart" im Großen Sendesaal. Warum Musik nicht Tennis ist und was der Rosarote Panther mit Bach zu tun hat, erzählt Hyung-ki Joo im Interview.Im Sequel zu ihrer Show "A Little Nightmare Music" bieten Pianist Hyung-ki Joo und Geiger Aleksey Igudesman umso mehr musikalische Verrücktheit, trotzen der Schwerkraft und zeigen, dass der Weg von klassischer Musik zu Country und Western, Heavy Metal und Glam Rock kürzer ist, als gemeinhin angenommen.

Was darf sich das Publikum von der Ansage "And Now Mozart" erwarten?
In diesem Sequel zur Show "A Little Nightmare Music" wollten wir unsere Grenzen sprengen, weiter gehen – in unserer Sprache, unserem Stil. "And Now Mozart" beinhaltet gemäß der Catchphrase aus unserem ersten Programm, nach der immer etwas völlig anderes kommt, kaum Mozart. Die Show ist voll mit noch mehr musikalischer Verrücktheit, musikalischen Stilen – unsere Komposition "Do You Believe in Gravity" beispielsweise enthält Country und Western, auch Heavy Metal und ein Glam-Rock-Tribute. Darin zerlegen wir den Flügel, der schließlich auf magische Weise ohne Stütze offen bleibt und auf zwei Beinen steht. Wir trotzen der Schwerkraft. Es gibt auch Rap in "Mozart Will Survive", der Mozart-Adaption unseres großen Hits auf Basis des Gloria-Gaynor-Discohits, auch Breakdance. Die Show ist gefährlicher als die erste.

Spielt der Titel "And Now Mozart" auch auf Mozarts Relevanz im Heute an?
Wir haben nicht wirklich eine Mission, aber wenn wir eine hätten, dann würden wir etwas Archaisches, das Hunderte Jahre alt ist, heute relevant machen wollen. Viele Leute glauben, was wir tun sei neu und innovativ, dabei ist es retro! Diese elitäre, steife und langweilige Atmosphäre des heutigen klassischen Konzertbetriebs, die vorschreibt, wann man husten und klatschen darf, hat mit der "authentischen" Tradition von Mozart, Beethoven und Liszt nichts zu tun. Es gibt einen Brief von Mozart nach seinem ersten Klavierkonzert: Er war so stolz, weil das Publikum gleich nach den ersten Takten so ausgeflippt ist, dass sie noch einmal anfangen mussten. Wenn heute ein neues Stück gespielt wird, wäre es ein Skandal, da nach zehn Sekunden hineinzuklatschen – Pssssst! Wer flippt denn heutzutage im Konzertsaal aus vor Begeisterung? Niemand flippt aus. Ich will ausflippen, hingerissen werden – jedes Mal, wenn ich in ein Konzert gehe.

Welchen Stellenwert hat Spontanität in Ihrer Arbeit?
Es gibt viel Spontanität, wir arbeiten aber im Vorfeld alles möglichst gut durch, um uns auf der Bühne frei fühlen zu können. Eines unserer Mantras, nach denen wir leben, ist die "Magie der Fehler". In der Kunst, vor allem in der darstellenden, geht es nicht um schale Perfektion, sondern darum, etwas im Moment zu erschaffen. Und auch wenn du ein bekanntes Stück spielst, musst du es spielen, als wäre es ganz frisch. In diesem Sinne muss es auch spontan sein. Wenn du dabei offen für Fehler bist, öffnet das 99 von 100 Mal die Tür zu etwas viel Besserem. Wenn im Tennis der Ball draußen ist, verlierst du einen Punkt. Aber nicht in der Musik, und schon gar nicht bei dem, was wir tun. Daher sagen wir immer, dass unsere Show ein einziger riesiger Fehler ist: Manche Sketches führen wir zigmal erfolgreich auf gleiche Weise auf, bis zu der Vorstellung, in der einer von uns einen Fehler macht: Und die Leute lachen mehr als vorher. Manchmal ist es aber auch nur ein Schreib- oder Tippfehler, der dich erkennen lässt: So ist es lustiger, besser!

Welche Bedeutung hat Humor für Sie in Verbindung mit Musik?
Wie Musik, die Menschen jenseits von Sprache und Herkunft verbindet, ist auch Humor universell. Humor ist immer auch eine Überlebensstrategie angesichts unangenehmer oder auch tragischer Lebensumstände. In unserem Song "I Will Survive" bzw. "Mozart Will Survive" greifen wir das Thema Überleben auch musikalisch auf: In beiden Versionen gibt es ein Medley, wo wir das gleiche harmonische Schema nehmen, aber plötzlich ist es "Killing Me Softly", "The Pink Panther Theme", Tschaikowksi, Vivaldi, Bach, Chopin, "Les feuilles mortes" von Montand, "Les Parapluies de Cherbourg". Natürlich ist die Melodie jeweils anders, aber alles basiert auf denselben Harmoniewechseln. Das ist unser Weg zu sagen: Musik kommt – ebenso wie Humor – immer vom gleichen Ort.

Was verbindet Igudesman & Joo mit dem RadioKulturhaus?
Der Große Sendesaal ist für Aleksey und mich ganz besonders. Aleksey hat als erster hier gespielt, mit seiner Gruppe Triology im Jahr 1998, also vor beinahe 20 Jahren. Als ich gemeinsam mit anderen Künstlerinnen und Künstlern eingeladen wurde, zum fünften Geburtstag des RadioKulturhauses zu spielen, war das mein offizielles Wien-Debüt als Pianist. Zudem war es der Beginn einer völlig neuen Phase meines Lebens – ich hatte New York neun Monate zuvor verlassen, um nach Wien zu ziehen. Es war ein Reset, ein Neustart. Danach habe ich mehrmals hier gespielt, auch sehr verbunden mit Gerhard Bronner. Er war ein sehr guter Freund, zudem war ich ein großer Fan seines Klavierspiels, er hatte so einen wunderschönen Klang! Im RadioKulturhaus habe ich mit ihm auf zwei Klavieren gespielt, u.a. ein Arrangement von mir aus "My Fair Lady". Das war einer der größten Momente in meinem Bühnenleben – und das einzige Mal, dass wir offiziell zusammen gespielt haben. Aleksey und ich haben unsere erste und einzige CD "You Just Have to Laugh" auch im Großen Sendesaal aufgenommen – produziert von David Bronner, Gerhard Bronners Sohn. Es gibt uns als Duo seit 2004, 13 Jahre später eine CD aufzunehmen, ist eine große Sache. Alle, die in die Produktion involviert waren, hatten so eine tolle Zeit! Ich weiß nicht, was es ist, aber der Saal hat eine bestimmte Magie, deshalb haben wir vor, auch unsere nächste CD hier aufzunehmen. Und wir sind sehr stolz, dass wir "And now Mozart" zum 20. Geburtstag des RadioKulturhauses spielen können!

Das Interview führte Susanne Berndl.

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Eine Veranstaltung in Kooperation mit Die Presse und mit Unterstützung der PRIVAT BANK der Raiffeisenlandesbank Oberösterreich.

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Mittwoch, 31. Mai 2017
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