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Im Zeit-Raum: Klimaschutz & Armutsbekämpfung?

Mittwoch, 18. März 2009

Fluchtbewegungen, Verteilungskonflikte, Kompensationszahlungen oder globale Zusammenarbeit? Johannes Kaup sprach mit dem Entwicklungsexperten Dirk Messner über die entwicklungspolitische Dimension des Klimaschutzes.

Der Klimawandel hat das Potential zum größten Sicherheitsrisiko des 21. Jahrhunderts zu werden. Die Anpassungsfähigkeit vieler Gesellschaften wird in den nächsten Jahrzehnten überfordert sein. So verschlimmert sich die bestehende globale Armutsproblematik und es werden neue Armutsrisiken geschaffen. Diese Entwicklung würde ihrerseits zu Destabilisierung und Gewalt führen. Dadurch wird die nationale und internationale Sicherheit in einem bisher unbekannten Ausmaß bedroht.

Andererseits könnte der Klimawandel die Staatengemeinschaft auch zusammenführen. Voraussetzung dafür ist, dass der Klimawandel als globale Menschheitsbedrohung verstanden wird und in den kommenden Jahren mit einer energischen und weltweit abgestimmten Klimapolitik die Weichen für ihre Vermeidung gestellt werden.

Gelingt dies nicht, wird der Klimawandel zunehmend Spaltungs- und Konfliktlinien in der internationalen Politik hervorrufen, weil er vielfältige Verteilungskonflikte in und zwischen Ländern auslöst: Um Wasser, um Land, um die Bewältigung von Flüchtlingsbewegungen oder um Kompensationszahlungen zwischen den wesentlichen Verursachern des Klimawandels und den Ländern, die vor allem von dessen destruktiven Wirkungen betroffen sein werden.

Klimaschutz und Armutsbekämpfung wurden bislang als unvereinbare Zielkonflikte gegeneinander ausgespielt. Dies ist aber nicht mehr möglich, wenn man beide Ziele mit einer intelligenten Global Governance konstruktiv miteinander verbindet.

Dirk Messner ist Direktor des renommierten Deutschen Instituts für Entwicklungspolitik (DIE). Er ist Autor zahlreicher Studien zum Thema Klimaschutz, Entwicklungs- und Sicherheitspolitik, Bioenergien sowie Wachstumschancen. Im Wissenschaftlichen Beirat der deutschen Bundesregierung zu Globalen Umweltveränderungen berät er die Politik in Grundsatz- und Strategiefragen. Messners Expertise ist auch an zahlreichen Universitäten gefragt, insbesondere in China, dem Land das 2008 die USA im jährlichen CO2-Ausstoß überholt hat, das aber zugleich ehrgeizig an Lösungen des Umwelt- und Wachstums-Dilemmas arbeitet.

Text: Johannes Kaup

17.09.2007

Eine Veranstaltung in Kooperation mit der Wiener Zeitung.

Im Zeit-Raum: Klimaschutz und Armutsbekämpfung?
Mittwoch, 18. März 2009
18:30 Uhr
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