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Gespräche
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Im Zeit-Raum: Zuerst Mensch, dann Medizin

Dienstag, 13. April 2010

Die Klagen der Patienten über die "Fließband-Medizin" werden immer lauter. Prominenten-Arzt Walter Moebius sprach mit Johannes Kaup über die Notwendigkeit und Möglichkeiten einer menschlicheren Medizin.

Noch nie wurden im Kampf gegen Krankheiten solche Fortschritte gemacht. Das Wissen in der Medizin und den Pflegeberufen hat in den letzten Jahrzehnten enorm zugenommen. Aber zugleich war das Vertrauen der Patienten in die Ärzte noch nie so gering. Die Patienten klagen über eine gefühllose "Fließband-Medizin", die auf die individuellen Bedürfnisse keine Rücksicht nimmt. Während die medizinisch-technische Diagnostik überhandnimmt, bleibt nicht selten die ausrechende Aufklärung und Beratung durch Mediziner auf der Strecke.

Die Ärzte klagen über den überbordenden Aufwand, den die ständige Dokumentation der Krankheitsfälle erfordert. Das Pflegepersonal kommt dadurch zunehmend in die Situation, medizinisch-therapeutische Funktionen zu übernehmen, die die Aufgaben der Pflege übersteigen und wird überlastet. Am Ende bleibt das ernüchternde Faktum: Trotz medizinischer Fortschritte haben die Ärzte heute weniger Zeit dafür, was vor aller Medizin kommt: für den kranken Menschen selbst. Das Hinsehen, Zuhören und Mitfühlen bleibt auf der Strecke. Das behindert eine nachhaltige medizinische Versorgung und die Gesundung der Patienten.

(c) SCHLAGER_APA

Patienten klagen über eine gefühllose "Fließband-Medizin", die auf die individuellen Bedürfnisse keine Rücksicht nimmt.

"Menschlichkeit ist die beste Medizin", schreibt Walter Möbius in seinem gleichnamigen Buch. Der 1937 geborene Internist war 24 Jahre Chefarzt der Inneren Abteilung des Johanniter-Krankenhauses im Bonner Regierungsviertel. Dort betreute Moebius zahlreiche in-und ausländische Regierende und Parlamentarier. Nach seiner Pensionierung widmete er den Großteil seines Einsatzes jugendlichen Patienten in den Einrichtungen der Salesianer Don Boscos in Entwicklungsländern.

Obwohl Moebius viele Erfahrungen in der Behandlung "Prominenter" hat, hat er den Blick für die alltäglichen Probleme in der Medizin nicht verloren. Im Gegenteil: Als Lehrbeauftragter, als Berater für Patienten und medizinische Einrichtungen hat er es sich zur Lebensaufgabe gemacht, die moderne Medizin wieder menschlicher zu machen.

Der französische Philosoph Voltaire konnte vor 250 Jahren von den medizinischen Möglichkeiten des 21. Jahrhunderts nur träumen. Trotzdem hat er damals einen Satz geschrieben, der heute noch - uneingelöst - gültig ist: "Man soll vor allem Mensch sein, dann erst Arzt."

Text: Johannes Kaup

06.06.2009

Service

Eine Veranstaltung in Kooperation mit der Wiener Zeitung.

Im Zeit-Raum: Hinsehen, zuhören, mitfühlen - zuerst kommt der Mensch, dann die Medizin
Dienstag, 13. April 2010
18:30 Uhr
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