Standort: oe1.ORF.at

Kunstraum Radio

Seit seiner Gründung macht das ORF RadioKulturhaus das akustische Medium Radio auch mit anderen Sinnen erlebbar, es ist mit seinen Veranstaltungen, die zu Sendungen werden, eine Art "leibhaftiges Radio", erweitert also einen akustischen Raum zu einem visuellen und haptischen.

Folgerichtig spielte von Anfang an die Bildende Kunst eine wichtige Rolle bei der Gestaltung dieser Räume: von der von Johann Garber bemalten Ohr-Skulptur vor dem Eingang des RadioKulturhauses bis zu Oswald Tschirtners Kopffüßler-Zeichnungen im RadioCafe.

Ausstellungen im ORF-Funkhaus

Die Ahnung eines größeren Gefühls

Das ORF Funkhaus in Wien präsentiert von 15. Mai bis 30. September mit der Ausstellung „Die Ahnung eines größeren Gefühls“ Exponate der Universität für angewandte Kunst, Klasse für Malerei und Animationsfilm, zum Thema „Hören“.

Die Einladung des ORF, eine Ausstellung im Funkhausgebäude zu gestalten, nahmen die Studierenden zum Anlass, sich dem Spannungsfeld von Schall und Aufmerksamkeit mit den Mitteln der Malerei interpretativ anzunähern. Eingedenk der räumlichen Gegebenheiten von Atelier und Leinwand richteten die Studierenden ihre Konzentration auf ein Phänomen, das gleichzeitig flüchtig und gehaltvoll ist, und die Umwelt ganz und gar durchdringt. Was hört jemand im Moment des Malens? Spricht man auf währenddessen wahrgenommene Reize wie Umgebungsgeräusche, einen inneren Monolog, Musik, Radioprogramme oder Podcasts an? Nimmt man nur vom Klang, oder auch vom Inhalt Notiz? Bleibt das Tonmaterial unbewusst und unreflektiert, oder beeinflusst das Hörerlebnis den Gegenstand, die Erzählung, oder das Entstehungstempo eines Gemäldes? Im Film bestimmt der Soundtrack den visuellen Eindruck maßgeblich mit. Unsere Aufmerksamkeit zielt vorrangig auf die optischen Reize ab, aber der Ton verändert oder steigert das, was sich vor unseren Augen abspielt. Im Korpus dieser Ausstellung ist Ton der Gegenstand. Er ist die Grundvoraussetzung, anhand derer die Wahrnehmung des visuellen Ergebnisses ausgerichtet wird, und nicht umgekehrt. Jedes Werk ist auf eine 130 x 80 cm messende Leinwand gebannt. Die Installation dieses sich wiederholenden Formats setzt sich Bild für Bild über die Länge des Foyers fort. Die Einheitlichkeit und wiederkehrende Anordnung der Rechtecke stehen im Dialog mit den in Konzept, Stil, und Farbanwendung unterschiedlichen Herangehensweisen. Diese Klang-Darstellungen hallen im Bewusstsein der Betrachtenden nach und ermuntern zu einer neuen Sicht auf die Funktion von Ton, sowohl dabei, wie er erschaffen, als auch, wie er verstanden wird. Die Vorstellungskraft verweilt bei den sichtbaren Hinweisen auf das Gehörte und Nicht-Gehörte.

Text: Univ.-Prof.Judith Eisler
Leitung Klasse für Malerei und Animationsfilm

Das Foyer des Großen Sendesaals als Galerie

Stephanie Rainer

The whole world on her shoulders

"The whole world on her shoulders" ist die vierte Einzelausstellung der in Wien lebenden und 1984 ebendort geborenen Künstlerin Stephanie Rainer.
Der Titel der aktuellen Ausstellung und des namensgebenden Werkes klingt wie ein Versatzstück der Gegenwart: Verwies ein ähnlich lautender Popularmusik-Text vor nicht allzu langer Zeit auf die vielfältigen Möglichkeiten des Einzelnen, das zeitgeschichtliche Geschehen selbstbestimmt zu steuern, liest sich der Titel in der heutigen Form ausdrücklich dystopisch: Statt die Welt in unseren Händen zu halten und sie mit diesen zu formen, liegt uns das globale Gewicht heute wie eine ständige Last auf den Schultern. Die Verantwortung und Singularisierung des Individuums in der maximal vernetzten Leistungsgesellschaft klingen kaum mehr wie eine Chance, vielmehr wie eine erdrückende Aufgabe, an der nicht wenige scheitern.

Gerade schaffenden Künstler/innen wie Rainer bleiben in diesem Szenario zwar noch die bloßen Hände – jedoch weniger, um gegenzusteuern, sondern vor allem, um zu dokumentieren und ihrem Schicksal Ausdruck zu verleihen.

Rainers Kunst nimmt eine gesamtgesellschaftliche Perspektive ein und unterscheidet sich damit von früheren Arbeiten, in denen der Auseinandersetzung mit der individuellen Psyche und Körperlichkeit absoluter Vorrang eingeräumt war. Themen wie unsere soziale und ökologische Schuldigkeit finden nun auch über das Figurative im Repertoire der Künstlerin Platz und fügen sich neben bereits in der Vergangenheit zentralen – biographischen – Aspekten wie chronischer Schmerz und Verletzlichkeit ein.
Ausgangspunkt der aktuellen Arbeiten Rainers ist stets die expressive Zeichnung, die durch den akzentuierten Einsatz von Farbe ergänzt wird. Der identifikationsstiftende Charakter der Bilder eröffnet dem Betrachter die Chance zur Selbstreflexion: die Objekte spiegeln wider, was dieser täglich erlebt oder erleben kann, und verlangen ihm ab, die eigene Position im Kontext gesellschaftlicher wie ökologischer Entwicklungen zu reflektieren.
Text:Nikolaus Ganahl

Die Ausstellung im Foyer des Großen Sendesaals können Sie bei einem Veranstaltungsbesuch besichtigen.Die Ausstellungen im ORF-Funkhaus sind während einer Backstage-Führung zu sehen.

19.03.2014

Service

"The whole world on her shoulders": In Kooperation mit Galerie HilgerNEXT
michaela.pedratscher@hilger.at

Stephanie Rainer
info@stephanierainer.com

Mehr dazu auf oe1.orf.at

Übersicht: Alle ORF-Angebote auf einen Blick Impressum/Offenlegung