Schuhputzer in New York

(c) Michael Seyer

Neue Ausstellungen im Kunstraum Radio

Seit seiner Gründung macht das ORF RadioKulturhaus das akustische Medium Radio auch mit anderen Sinnen erlebbar, es ist mit seinen Veranstaltungen, die zu Sendungen werden, eine Art "leibhaftiges Radio", erweitert also einen akustischen Raum zu einem visuellen und haptischen.

Folgerichtig spielte von Anfang an die Bildende Kunst eine wichtige Rolle bei der Gestaltung dieser Räume: von der von Johann Garber bemalten Ohr-Skulptur vor dem Eingang des RadioKulturhauses bis zu Oswald Tschirtners Kopffüßler-Zeichnungen im RadioCafe.

Michael Seyer: „The Verve of New York City"

Kunstraum Radio im Foyer des Großen Sendesaals

Die Ausstellung zeigt 25 Werke aus einem 120 Fotografien umfassenden OEuvre des Fotografen und Malers Michael Seyer. Abgebildet wird die Weltmetropole in der Tradition der Amerikanischen Straßenfotografie. Der Bildzyklus, ein Kaleidoskop der Stadt, zeigt Momentaufnahmen und Milieustudien im öffentlichen Raum. Er ist auch eine Hymne an New York, den Moment und die Vielfalt des Lebens in tiefer, leuchtender Kraft.

(c) Michael Seyer

Michael Seyer hat im Jahre 2015 bei seiner großen Einzelausstellung in Brüssel de Werkzyklus „Das wahre Gesicht“ gezeigt. Bei dieser Schau ging es um das Entdecken und Erforschen der menschlichen Mimik, um das Spiel mit dem Antlitz und das Erkennen von Emotionen. Auch bei der im Foyer des ORF RadioKulturhauses und zeitgleich mit weiteren Werken im Café Prückel gezeigten Ausstellung lotet Michael Seyer die Bandbreite der spontanen Inszenierung und kurzer Begegnungen mit Menschen
in der Stadt aus. Erinnert wird man dabei an das Zitat von Friedrich Dürrenmatt: „Das Wesen des Menschen bei der Aufnahme sichtbar zu machen, ist die höchste Kunst der Fotografie“.
Michael Seyer begeisterte für sein Vorhaben Straßenmusiker, Menschen in Parks, auf Plätzen oder in Restaurants. Die präsentierten Exponate geben die aktuelle Stimmung im „Big Apple“ in subtiler, nachdenklicher und humorvoller Bildsprache wieder.

Michael Seyer wurde 1967 in Graz geboren, lebt und arbeitet in Klagenfurt. Er ist Absolvent der Graphischen Lehr- und Versuchsanstalt in Wien und schloss seine Ausbildung 1994 mit dem Meisterdiplom (Schwerpunkt: Natur- und Landschaftsfotografie) ab. Zwei Fotostipendien des Landes Kärnten in den Jahren 2000 und 2002 führten ihn nach Paris. 2014 Teilnahme an der photo::vienna im Museum für Angewandte Kunst Wien. Die jüngsten Ausstellungen waren 2017 im Künstlerhaus Klagenfurt („90 Plus“)
und 2018 im Spiegelsaal der Kärntner Landesregierung („The Verve of New York City“) sowie in der Alpen-Adria-Galerie („Klagenfurt quo vadis?“) zu sehen.
Mag.a Magdalena Felice, Museum Moderner Kunst Kärnten (MMKK)

"REALITÄTEN"

Kunstraum Radio im ORF Funkhaus

Studierenden der Universität für angewandte Kunst Wien, Abteilung für Grafik und Druckgrafik präsentieren ihre Arbeiten zum Thema „Wahrheit".
Die Suche nach der Wahrheit und deren Verbreitung ist auch eine der Kernaufgaben des Journalismus. Werden die publizierten Darstellungen vom Publikum als Tatsachen anerkannt, so entstehen Glaubwürdigkeit und Vertrauen.

Beáta Hechtová

Ohne Titel_Siebdruck

Das Radio im Allgemeinen und die ORF Radios im Speziellen genießen allen Untersuchungen zufolge hohe Glaubwürdigkeit und großes Vertrauen bei ihrem Publikum. Dies ist vor allem der gewissenhaften Arbeit der vielen Journalistinnen und Journalisten zu verdanken, deren Bestreben es ist, eine korrekte Beschreibung der Wirklichkeit wiederzugeben und Behauptungen von Tatsachen zu unterscheiden.

Doch was bedeutet es für objektive Berichterstattung, wenn sie einer subjektiven Wahrnehmung gegenübersteht? Liegt die Wahrheit tatsächlich nur im Auge des Betrachters?
Die Frage der Wahrheit gehört nicht umsonst seit jeher zu den zentralen Problemen der Philosophie und Logik und wird von verschiedenen Theorien unterschiedlich beantwortet.
So ist es nur logisch, dass im ORF Funkhaus, einem Ort an dem täglich nach der Wahrheit gesucht wird, Künstlerinnen und Künstler ihre Auseinandersetzung mit Realitäten und deren Wahrnehmung präsentieren.
Radiodirektorin Monika Eigensperger


"Wenn wir Kunst machen, versuchen wir, den Ausdruck so wahr und überzeugend wie möglich zu gestalten – in vollem Bewusstsein, dass das Publikum unterschiedliche Wahrheiten in unserer Darstellung entdecken wird. Kunst muss die Fantasie der Betrachtenden ansprechen, um als wahr verstanden zu werden. Wer Kunst macht, kann nicht selbst entscheiden was die ultimative Botschaft ist. Gleichzeitig ist es so, dass sie/er selbst als erste/erster in der Reihe der Betrachtenden stehen wird. Alle sind frei den Inhalt des Werkes mitzugestalten. Während wir dazu neigen, Kunst nach persönlichen Interpretationen des Wahren und Authentischen zu beurteilen, gibt es keine Begriffe, die nicht in Frage gestellt werden können. Wahrheit in der Kunst wird im Dialog konstruiert. Und sie ist flüchtig.

Easter (Körper Nr. 3), Holzschnitt und Siebdruck

Eva Yurková

Die Wahrheit, die in einem visuellen Kunstwerk vorhanden ist, kann nicht in Sprache ausgedrückt, ohne dabei verändert zu werden. Es sind jedoch diese Übersetzungsprozesse, die dafür sorgen, dass Kunst lebt und aktuell bleibt. Es besteht ein unvermeidliches Paradox, dass von Künstler/innen erwartet wird, Werte jenseits der Sprache zu kreieren und gleichseitig ihre Bedeutung zu diskutieren.
Diese Ausstellung heißt "Realitäten". Der Titel ist wörtlich zu nehmen. Er bezieht sich sowohl auf die Realitäten der ausgestellten Werke als auf die Versuche, sie zu übersetzen. Die Schau umfasst Arbeiten von 20 Studierenden und 3 Lehrenden aus der Abteilung für Grafik und Druckgrafik der Universität für angewandte Kunst Wien. Alle Teilnehmenden wurden gebeten, ein Stichwort für die Realität anzugeben, die ihrer Meinung nach in der Arbeit angesprochen wird. Die Stichwörter werden getrennt von den Werken, in alphabetischer Reihenfolge, präsentiert.
In der Kunst sowie im Leben erfolgt die Benennung von Realität aus einer Notwendigkeit – mit dem großen Unterschied, dass die Kunst durch die Freiheit der Zuschreibung charakterisiert wird."
Jan Svenungsson, Leiter der Abteilung für Grafik und Druckgrafik