Drohnen (Ausschnitt Tapete)

Payer Gabriel

Neue Ausstellung im Kunstraum Radio! Payer Gabriel "Remote Control"

Seit seiner Gründung macht das ORF RadioKulturhaus das akustische Medium Radio auch mit anderen Sinnen erlebbar, es ist mit seinen Veranstaltungen, die zu Sendungen werden, eine Art "leibhaftiges Radio", erweitert also einen akustischen Raum zu einem visuellen und haptischen.

Folgerichtig spielte von Anfang an die Bildende Kunst eine wichtige Rolle bei der Gestaltung dieser Räume: von der von Johann Garber bemalten Ohr-Skulptur vor dem Eingang des RadioKulturhauses bis zu Oswald Tschirtners Kopffüßler-Zeichnungen im RadioCafe.

Das Foyer des Großen Sendesaals als Galerie

Dieser Gedanke wird mit wechselnden Präsentationen von Kunst im Foyer des Großen Sendesaals weitergeführt. Das auf den Einlass wartende Publikum befindet sich somit inmitten einer Ausstellung.

Payer Gabriel

Payer Gabriel "Remote Control"

Payer Gabriel "Remote Control"

Die Drohne ist in den letzten Jahren zu einem Symbol unserer gegenwärtigen Epoche geworden: Ein Flugroboter, der genauso zu Überwachungszwecken, zu Hilfsdiensten wie auch zu Angriffen auf Feinde und, denken wir an Osama bin Laden, Terroristen genutzt werden kann. Ein unheimliches Gerät, das, ein wenig an ein überdimensioniertes Insekt erinnernd, die anonymen Gefahren zum Ausdruck bringt, die sich sowohl in den Netzwerken wie auch in den an Videospiele erinnernden Steuersystemen aktueller Kriegstechnologien verbergen. Die Drohne ist das sichtbare Zeichen einer Arkanpolitik, die sich dem Zugriff und der Kontrolle immer mehr entzieht und ihr dämonisches Walten in einen Bereich jenseits der gesellschaftlichen Navigationsmöglichkeiten verschiebt.
Angesichts der Vielzahl von Drohnen, die sich auf Payer Gabriels Zeichnungs-Tapete für das ORF Radiokulturhaus ausbreiten und in einen Dialog mit pittoresken Wolkenformationen treten, bekommt der Begriff Schwarmintelligenz eine ganz neue Dimension. In mancher Hinsicht wirkt die Arbeit wie ein Update jener bekannten Fotos aus dem Zweiten Weltkrieg, welche die Luftangriffe der Alliierten dokumentieren; sie kann aber auch als Überblendungskunst gelesen werden, in dem eine an einen barocken Himmel erinnernde Naturdarstellung mit der Apparateästhetik des postindustriellen Zeitalters kurzgeschlossen und in ein ästhetisches Konfliktverhältnis gesetzt wird. „Unsere Bilder sind Ausdehnungen ins Unendliche“, haben Payer Gabriel schon vor Jahren geschrieben „bis sich die Kategorien in ihrer losen und chaotischen Anordnung wie von selbst auflösen.“
Die serielle Häufung der Drohnenabbildungen könnte im Sinne der von Jacques Lacan beschworenen Insistenz der Signifikantenkette als ein nach dem Prinzip der Assembly line geformtes Weltwahrnehmungsdispositiv gedeutet werden: Das allsehende Auge als omnipräsente reale Gegenwart, als Spur des Faktischen vor einem Horizont der Metaphern und der paranoiden Verschwörungstheorien. Death from Above heisst eine kanadische Noise-Rock-Band, deren Song „Cold War“ eine Stimmung evoziert, die sich mit Payer Gabriels Arbeit in ein Resonanzverhältnis bringen lässt:
„This war is cold and silent, our love has turned to violence“
(Thomas Miessgang, 2018)

Treibgut # 3, 2018; Bleistift und Graphitpulver auf Papier

Payer Gabriel

Die Bildwelten von Micha Payer und Martin Gabriel sind seit Jahren von einem komplexen interdisziplinären Denken geprägt. Naturwissenschaftliche Erkenntnisse, philosophische und psychologische Fragestellungen spielen dabei ebenso eine Rolle wie soziologische oder kulturwissenschaftliche Bezüge. Sie bedienen sich der Speisekammer kultureller Vergangenheit und Gegenwart – mischen die hohe Wissenschaft mit populärwissenschaftlichen Ingredienzien. „Komplexität kennzeichnet unser Dasein und die Welt, in der wir leben. Alles Lebendige bewegt sich auf einem schmalen Grat zwischen Chaos und Ordnung. Es folgt bestimmten Ordnungsprinzipien und Gesetzmäßigkeiten, welche uns auf mannigfaltige Weise bestimmen und beherrschen, vom Bauplan der Natur bis zum kulturellen Verhaltenscodex. Uns interessiert, wie sich Komplexität ästhetisch darstellt“.

Gebrochene Versprechen 2, 2018
zweiteilig, je 63 x 29,7 cm
Bleistift, Buntstift und Graphit auf Papier

Payer Gabriel

Das primäre Medium der beiden Künstler ist die Zeichnung, die stets in einem gemeinsamen Arbeitsprozess entsteht, ohne dass die Handschrift des einen oder anderen im Einzelnen erkennbar wäre. Seit ihrer Studienzeit leben und arbeiten sie zusammen. Der Dialog bestimmt ihre Arbeitsweise. Ihren Zeichnungen geht immer eine intensive Planungsphase voraus. Recherchen in Literatur und Internet werden gedanklich abgescannt und ausgelotet und mit persönlichen Überlegungen verwoben. ...Ihre Arbeiten wirken oftmals wie phänomenologische Bildstudien zu unterschiedlichen Themen, bei manchen jagt ein Rebus das andere. Die Bilderflut und Informationstechnologie unserer Gegenwart wird sozusagen inhaltlich wie formal analog reflektiert. Mit Farbstift auf Papier setzen sie in einer kleinteiligen, grafisch äußerst präzisen Wiedergabe fragmentarische Aspekte eines Themenbereichs zu einem Netz von Assoziationen und Verknüpfungen collagenartig zusammen.
(Silvia Höller, 2017, in „Payer Gabriel/ Cosmic Imperative“ modo Verlag, Freiburg, 2017)