Durchblick

(c) Ina Loitzl

Kunstraum Radio: INA LOITZL

Seit seiner Gründung macht das ORF RadioKulturhaus das akustische Medium Radio auch mit anderen Sinnen erlebbar, es ist mit seinen Veranstaltungen, die zu Sendungen werden, eine Art "leibhaftiges Radio", erweitert also einen akustischen Raum zu einem visuellen und haptischen.

Folgerichtig spielte von Anfang an die Bildende Kunst eine wichtige Rolle bei der Gestaltung dieser Räume: von der von Johann Garber bemalten Ohr-Skulptur vor dem Eingang des RadioKulturhauses bis zu Oswald Tschirtners Kopffüßler-Zeichnungen im RadioCafe.

Ab Oktober 2020 ist im Foyer des Großen Sendesaal die Ausstellung CUTOUTS von Ina Loitzl zu sehen.

CUTOUTS

Die Kunst von Ina Loitzl ist intelligent in Schichten aufgebaut und verweigert sich der Betrachterin und dem Betrachter schnell eine klare Antwort zu geben. Jemand der sich mehr Zeit nimmt, erhält Einblicke in handwerkliche Fertigkeiten und feministische Überlegungen.
Die CUTOUTS von Ina Loitzl locken mit organischen Formen: floralen Ornamenten, die manchmal direkter, andere Male erst auf den zweiten Blick die Gebärmutter und Eierstöcke darstellen. Die Auseinandersetzung mit dem weiblichen Geschlechtsorgan führt uns in einen ganzen politischen Kosmos, der bis heute Frauen beeinflusst.

(c) Ina Loitzl

Die CUTOUT Serie von Ina Loitzl reiht sich in diesen Kosmos ein und greift diese künstlerisch auf. In der Technik des Scherenschnittes schneidet die Künstlerin in die Papier- oder Lederoberfläche. Der Schnitt mit dem Schneidmesser evoziert Brutalität und Aggression. Anders als bei einer Zeichnung sind die Schnitte bei Scherenschnitten endgültig, denn Einschnitte können nicht mehr rückgängig gemacht werden. Ina Loitzl setzt sich in dieser Serie künstlerisch mit einer Art archaischer Weiblichkeit auseinander. Durch die blumenhafte Ausgestaltung der Gebärmutter oder das Auftauchen von Totenköpfen lassen sich die Arbeiten als Stillleben einordnen.

Die Künstlerin überlässt es der Betrachterin und dem Betrachter den hochkonnotierten Bereich der weiblichen Sexualität selbst zu betreten. Die Scherenschnitte erfahren als traditionelle Kunsttechnik durch die feministischen Gedanken eine zeitgenössische Aktualisierung und Politisierung. Es ist ein spannendes Gegenüberstellen einer Art von Geometrie der Weiblichkeit mit dem patriarchal ver- bzw. geformten Geschlechterverständnis. Jeder Schnitt bei Ina Loitzl ist Teil eines ganzen Diskurses, in dem Frauen sich behaupten mussten und bis heute ihren Platz in der Gesellschaft selbst reklamieren. (Auszug aus der Einleitung von Anabel Roque Rodríguez I Kunsthistorikerin und Kuratorin aus dem Katalog "CUTOUTS" 2019)

Ina Loitzl

wurde 1972 in Klagenfurt geboren und hat Grafik und Visuelle Medien und Textiles am Mozarteum in Salzburg und u. a. bei Peter Weibel auf der Angewandten in Wien studiert.
Sie organisiert und kuratiert seit über 10 Jahren gemeinsam mit Tanja Prušnik das soziale Kunstprojekt „den blick öffnen“ gegen Gewalt an Kindern und Jugendlichen.

Als Kuratorin und Künstlerin realisiert sie Ausstellungen wie, „BLUTROT“ 2017 bei denen explizit Frauenthematiken im Fokus stehen. In der Vorschau stehen die Präsentation „#PROUD“ 2021 im Kunstverein Kärnten mit ausschließlich geladenen weiblichen Künstlerinnen zu vergessenen Frauen
aus der Klagenfurter Geschichte und im Herbst findet die Ausstellung „WASTEART“, von 27.11.2020 bis 20.11.2021 in der Factory im Künstlerhauses Wien mit einem umfangreichen Rahmenprogramm statt.

Ina Loitzl erhielt den Förderpreis für Bildende Kunst in Kärnten, den Fine Arts Award of Taichung für Skulptur in Taiwan, den Theodor Körner Preis für ihr Projekt „hairytales“ und den ZIT Content Video Award für ein überarbeitet weibliches Ahnenporträt in Wien, den Würdigungspreis für Videokunst in Kran und den Menschenrechtspreis des Landes Kärnten für „den blick öffnen“.

Ihre Arbeiten befinden sich in Sammlungen wie der Grafischen Sammlung Albertina, vom Land Salzburg und Kärnten, der Stadt Klagenfurt und Villach, im Museum für Quellenkultur in Klein St. Paul, im Robert Musil – Literatur Museum in Klagenfurt, in der ÖBV, Red Carpet und internationalen Museen.

Neben ausländischen Screenings zeigt sie regelmäßig Animationen aus ihrem Atelier bei TRICKY WOMEN dem Internationalen Frauentrickfilmfestival und BEST AUSTRIAN ANIMATION Festival in Wien.