Bild House Repetition (Detail)

House Repetition, Detail © Jürgen Bauer

Kunstraum Radio: JÜRGEN BAUER

Seit seiner Gründung macht das ORF RadioKulturhaus das akustische Medium Radio auch mit anderen Sinnen erlebbar. Mit wechselnden Ausstellungen erweitert es den akustischen Raum zu einem visuellen und haptischen.

Jürgen Bauer

Jürgen Bauer © Eva Kelety

Folgerichtig spielte von Anfang an die Bildende Kunst eine wichtige Rolle bei der Gestaltung: von der von Johann Garber bemalten Ohr-Skulptur vor dem Eingang des ORF RadioKulturhauses bis zu Oswald Tschirtners Kopffüßler-Zeichnungen und wechselnden Ausstellungen aufstrebender Künstler:innen im Foyer des Großen Sendesaals.

Ab April 2022 ist die Ausstellung Farbe und Gebiet von Jürgen Bauer zu sehen.

In der geometrischen Abstraktion modellieren die bildnerischen Grundkräfte Farbe und Form in ihrer Wechselwirkung den Bildkörper. Einer klaren Struktur folgend werden Konzepte ins künstlerische Verfahren eingeführt, die versuchen, den Aufbau unserer Welt nach einem sinnlichen wie auch rationalen Schema zu erfassen.
Die Formeln dieser entitären Prinzipien beforscht Jürgen Bauer in seinen Bildern. Basierend auf der Darstellung geometrischer Figuren sind seine Arbeiten konstruktiv als auch abstrakt, exakt wie intuitiv. Die Methode des Künstlers ist eine de/konstruierende, die in ihrer Anwendung die Grenzen des Bild-Raums absteckt oder überwindet und ihn folglich zum phänomenologischen Laboratorium erweitert.

House Repetition

House Repetition 5 Fe (c) Mario Flöck

Das Fundament hierfür legt die Farbe. Im Sinne der substanziellen Beschaffenheit wie auch einer psychophysischen Wahrnehmung ist sie das wesentliche Material für Bauer. Mit der Farbe bildet er Flächen. Diese formen sich zu Ebenen, welche durch ihre Teilmengen Bereiche hervorbringen, die schließlich Gebiete konstituieren. Diese Farbkonfigurationen bauen Spannung auf, erzeugen perspektivische Verschiebungen, Raumillusionen und loten die Tiefe der Oberfläche aus. Im nächsten Prozess können neue Körper entstehen und das Bild zu einem multistabilen Objekt weiterformulieren.

House displaced

House Displaced white © Jürgen Bauer

Parallel beschäftigt sich Bauer mit dem konkreten Motiv des sattelbedachten Hauses. Ähnlich einem Piktogramm reduziert es der Künstler auf seine minimale Grunderscheinung. Unweigerlich drängt sich die Frage auf: Ist es ein Haus, das wir sehen oder dessen Vision? Die Deutungsmöglichkeiten der Hauskontur als Sujet sind mannigfaltig, doch seinem Wesen ist stets ein territorialer Charakter immanent. In letzter Konsequenz bedeutet es immer die Inbesitznahme von Fläche und ist ein Symbol für Gebietsanspruch. Bauer geht hier im repetitiven Verfahren noch weiter und verstärkt das Gegenständliche des Bildes, indem er das Haus aus der Zwei- in die Dreidimensionalität erwachsen lässt. Das Haus wird als raumgreifendes Objekt in verschiedenen Größen und Ausführungen konzipiert, etwa als einzelnes körperhaftes Modell oder als sequenzieller Aufriss, die unsere Wahrnehmung wie auch deren Bedingungen prüfen. Seine Werke reagieren somit innerhalb eines Bezugsystems, in dem die Wirkungsmacht der Geometrie als universales Element unseres Seins analysiert wird.

Durch Konstruktion, Zerlegung und Neuanordnung schafft Jürgen Bauer Entwürfe zwischen Evidenz und Fiktion, denn „es ist eine allgemeine Überzeugung, dass die Geometrie mit allen ihren Wahrheiten in unbedingter Allgemeinheit gültig ist für alle Menschen, alle Zeiten, alle Völker, für alle nicht bloß historisch faktischen, sondern überhaupt erdenklichen.“(1)
Anna Fliri, Wien im März 2022

(1) Edmund Husserl, „Der Ursprung der Geometrie“, in: Jacques Derrida, Husserls Weg in die Geschichte am Leitfaden der Geometrie. Ein Kommentar zur Beilage III der »Krisis« (Übergänge, Bd. 17), München: Wilhelm Fink Verlag, 1987, 231.

Das Thema Haus steht seit einigen Jahren im Zentrum von Jürgen Bauers künstlerischem Werk. Neben reduzierten Arbeiten auf Papier und Leinwand des in Tirol geborenen Künstlers resultieren aus dieser Beschäftigung auch Objekte. Die dreidimensionalen Werke sollen Betrachter*innen ermöglichen, der Form intensiver zu begegnen. In Corten-Stahl realisierte er zuletzt eine Skulptur im öffentlichen Raum für die NHT in Jenbach in Tirol.

Jürgen Bauer lebt und arbeitet in Wien.
https://www.juergenbauer.net