Sehr, sehr einfache Porträts

(c) Rudi Klein

Rudi Klein im Kunstraum Radio

Seit seiner Gründung macht das ORF RadioKulturhaus das akustische Medium Radio auch mit anderen Sinnen erlebbar, es ist mit seinen Veranstaltungen, die zu Sendungen werden, eine Art "leibhaftiges Radio", erweitert also einen akustischen Raum zu einem visuellen und haptischen.

Folgerichtig spielte von Anfang an die Bildende Kunst eine wichtige Rolle bei der Gestaltung dieser Räume: von der von Johann Garber bemalten Ohr-Skulptur vor dem Eingang des RadioKulturhauses bis zu Oswald Tschirtners Kopffüßler-Zeichnungen im RadioCafe.

(c) Rudi Klein

Rudi Klein: "Sehr, sehr einfache Porträts"

Kunstraum Radio im Foyer des Großen Sendesaals

Die Collagen "Sehr, sehr einfache Porträts" entstanden in den Jahren 2018 und 2019. Die verwendeten Textpassagen stammen aus der von mir in den 80er Jahren herausgegebenen, aber seltsamerweise noch immer aktuellen Edition "Wie schaffen unsere bildenden Künstler ihre Werke".

In einer Kartonkassette im A6 Format befanden sich Postkarten, Kleber und Briefmarkenbögen mit Aussagen zur bildenden Kunst von Adorno bis quer durch den Gemüsegarten zu Bhagwan Shree Rajneesh. Da jedoch die Aussagen nicht den Autoren zugeordnet waren, entstand ein durchaus unterhaltsames Gemisch aus kunsthistorischer und/oder simpler Bemühtheit. Die neuen Arbeiten orientieren sich unter anderem auch an antiken afrikanischen Masken, deren Wert des Öfteren mit Reduktion steigen kann. Andererseits stellen Gesichter starke Stimuli dar, nicht ausschließlich nur bei Säuglingen, sondern natürlich auch bei Erwachsenen. Die Größe der Augen stellt hier ein wesentliches Element dar. Hypnotische Effekte sind nicht auszuschließen....

Rudi Klein:

  • geboren 1951 in Wien
  • Zeichner, Schreiber , Ideenlieferant und Humorproduzent
  • zahlreiche Veröffentlichungen in Zeitungen, Magazinen und Büchern
  • diverse Ausstellungen in Museen
  • seit einigen Jahren Betreiber des „Laden K“ im 4. Bezirk und der KUNSTHALLE K

"REALITÄTEN"

Kunstraum Radio im ORF Funkhaus

Studierenden der Universität für angewandte Kunst Wien, Abteilung für Grafik und Druckgrafik präsentieren ihre Arbeiten zum Thema „Wahrheit".
Die Suche nach der Wahrheit und deren Verbreitung ist auch eine der Kernaufgaben des Journalismus. Werden die publizierten Darstellungen vom Publikum als Tatsachen anerkannt, so entstehen Glaubwürdigkeit und Vertrauen.

Beáta Hechtová

Ohne Titel_Siebdruck

Das Radio im Allgemeinen und die ORF Radios im Speziellen genießen allen Untersuchungen zufolge hohe Glaubwürdigkeit und großes Vertrauen bei ihrem Publikum. Dies ist vor allem der gewissenhaften Arbeit der vielen Journalistinnen und Journalisten zu verdanken, deren Bestreben es ist, eine korrekte Beschreibung der Wirklichkeit wiederzugeben und Behauptungen von Tatsachen zu unterscheiden.

Doch was bedeutet es für objektive Berichterstattung, wenn sie einer subjektiven Wahrnehmung gegenübersteht? Liegt die Wahrheit tatsächlich nur im Auge des Betrachters?
Die Frage der Wahrheit gehört nicht umsonst seit jeher zu den zentralen Problemen der Philosophie und Logik und wird von verschiedenen Theorien unterschiedlich beantwortet.
So ist es nur logisch, dass im ORF Funkhaus, einem Ort an dem täglich nach der Wahrheit gesucht wird, Künstlerinnen und Künstler ihre Auseinandersetzung mit Realitäten und deren Wahrnehmung präsentieren.
Radiodirektorin Monika Eigensperger


"Wenn wir Kunst machen, versuchen wir, den Ausdruck so wahr und überzeugend wie möglich zu gestalten – in vollem Bewusstsein, dass das Publikum unterschiedliche Wahrheiten in unserer Darstellung entdecken wird. Kunst muss die Fantasie der Betrachtenden ansprechen, um als wahr verstanden zu werden. Wer Kunst macht, kann nicht selbst entscheiden was die ultimative Botschaft ist. Gleichzeitig ist es so, dass sie/er selbst als erste/erster in der Reihe der Betrachtenden stehen wird. Alle sind frei den Inhalt des Werkes mitzugestalten. Während wir dazu neigen, Kunst nach persönlichen Interpretationen des Wahren und Authentischen zu beurteilen, gibt es keine Begriffe, die nicht in Frage gestellt werden können. Wahrheit in der Kunst wird im Dialog konstruiert. Und sie ist flüchtig.

Easter (Körper Nr. 3), Holzschnitt und Siebdruck

Eva Yurková

Die Wahrheit, die in einem visuellen Kunstwerk vorhanden ist, kann nicht in Sprache ausgedrückt, ohne dabei verändert zu werden. Es sind jedoch diese Übersetzungsprozesse, die dafür sorgen, dass Kunst lebt und aktuell bleibt. Es besteht ein unvermeidliches Paradox, dass von Künstler/innen erwartet wird, Werte jenseits der Sprache zu kreieren und gleichseitig ihre Bedeutung zu diskutieren.
Diese Ausstellung heißt "Realitäten". Der Titel ist wörtlich zu nehmen. Er bezieht sich sowohl auf die Realitäten der ausgestellten Werke als auf die Versuche, sie zu übersetzen. Die Schau umfasst Arbeiten von 20 Studierenden und 3 Lehrenden aus der Abteilung für Grafik und Druckgrafik der Universität für angewandte Kunst Wien. Alle Teilnehmenden wurden gebeten, ein Stichwort für die Realität anzugeben, die ihrer Meinung nach in der Arbeit angesprochen wird. Die Stichwörter werden getrennt von den Werken, in alphabetischer Reihenfolge, präsentiert.
In der Kunst sowie im Leben erfolgt die Benennung von Realität aus einer Notwendigkeit – mit dem großen Unterschied, dass die Kunst durch die Freiheit der Zuschreibung charakterisiert wird."
Jan Svenungsson, Leiter der Abteilung für Grafik und Druckgrafik