Christine Lavant hält sich die Hand vors Gesicht.

Christine Lavant © Ernst Peter Prokop

Christine Lavant Preis 2019

Preisträgerin 2019 ist die Schriftstellerin Angela Krauß. Die Vergabe durch die Internationale Christine Lavant Gesellschaft erfolgt im Rahmen einer feierlichen Matinee im ORF RadioKulturhaus.

"Das vielfach ausgezeichnete Werk von Angela Krauß arbeitet erfinderisch an und mit Gattungsgrenzen und -konventionen. Es ist ohne Vorbehalt einer historisch-poetischen Wahrnehmung verpflichtet. Wie Peter Handke versteht sie Literatur als eine besondere Form des Wissens und Ahnens, als Gegenentwurf zu vorgefertigtem Denken und den zu umstandslos formulierten Meinungen,“ heißt es in der Jury-Begründung des literarischen Beirats der Internationalen Christine Lavant Gesellschaft.

Im Rahmen der Matinee wird Gerti Drassl Ausschnitte aus dem neuen Klangbuch der "Aufzeichnungen aus dem Irrenhaus" von Christine Lavant präsentieren.
Sechs Wochen verbrachte Christine Lavant als 20-Jährige nach einem Suizidversuch mit Medikamenten in der Landeskrankenanstalt Klagenfurt. Erst elf Jahre später, im Jahr 1946, schrieb sie in "Aufzeichnungen aus dem Irrenhaus" über ihre Erlebnisse in der Psychiatrie. Ihre Wahrnehmungen, die Zustände ihres eigenen Bewusstseins und Unbewusstseins in einer existentiellen Situation schildert Christine Lavant überscharf und in höchster Intensität.

Porträt von Gerti Drassl

Gerti Drassl © Yasmina Haddad

Gerti Drassl gestaltet Lavants inneren Monolog mit Empathie und Präzision. Glasklar und eindringlich macht sie selbst die leisesten Zwischentöne hörbar.

Die Musiker von Brot & Sterne – Franz Hautzinger an der Trompete, Matthias Loibner an der Drehleier und Peter Rosmanith, Percussion – erzeugen eine akustische Kulisse, die den Text einbettet. So entsteht eine Wort-und-Musik-Erzählung von großer Intensität. "Aufzeichnungen aus dem Irrenhaus" erscheint im September 2019 als Klangbuch bei Mandelbaum und wird am 5. Oktober 2019 auf Ö1 in voller Länge gesendet.

Der mit 15.000 Euro dotierte Christine Lavant Preis für Lyrik und Prosa würdigt Schriftstellerinnen und Schriftsteller, die in ihrem literarischen Schaffen – so wie auch Christine Lavant – einen hohen ästhetischen Anspruch mit humaner Haltung und gesellschaftskritischem Blick vereinen. Der Preis – gestiftet von der Internationalen Christine Lavant Gesellschaft – wird auf Vorschlag einer Jury an Personen vergeben, die in deutscher Sprache schreiben und die von der Öffentlichkeit bereits als wichtige literarische Stimmen wahrgenommen wurden.

Brot und Sterne

Brot und Sterne © Hans Ringhofer

Dem Literarischen Beirat und der Jury gehören die Schriftstellerinnen Friederike Mayröcker und Kathrin Schmidt, die Literaturwissenschaftlerin und Literaturkritikerin Daniela Strigl und der Professor an der Hochschule der Künste Bern und Mitglied des Literaturclubs des Schweizerischen Fernsehens Thomas Strässle an, ferner Karl Wagner, zuletzt Germanistikprofessor an der Universität Zürich, und Klaus Amann, der Gründer und langjährige Leiter des Robert-Musil-Instituts der Universität Klagenfurt und Herausgeber der vierbändigen Werkausgabe.

Die bisherigen Lavant-Preisträger/innen waren die deutsche Schriftstellerin Kathrin Schmidt, der österreichische Autor Bodo Hell und 2018 der Schweizer Schriftsteller Klaus Merz. Der/die Lavant-Preisträger/in 2019 wird am 24. September bekannt gegeben.

Im Anschluss an die Matinee folgt ein Stehempfang im Foyer mit Weinen von Mayer am Pfarrplatz.

Info

Christine Lavant
Peter Rosmanith