Porträt von Judith Schalansky

Judith Schalansky © Johanne Ruebel

Christine Lavant Preis 2020

Der renommierte Literaturpreis geht heuer an die deutsche Schriftstellerin Judith Schalansky.

Der Christine Lavant gewidmete, mit 15.000 Euro dotierte Preis für Lyrik und Prosa würdigt Schriftstellerinnen und Schriftsteller, die in ihrem literarischen Schaffen – so wie auch Christine Lavant – einen hohen ästhetischen Anspruch mit humaner Haltung und gesellschaftskritischem Blick vereinen.

Judith Schalansky wurde 1980 in Greifswald geboren, studierte Kunstgeschichte und Kommunikationsdesign. Sie lebt als Herausgeberin, Gestalterin und
freie Schriftstellerin in Berlin. Sie begann ihre publizistische Tätigkeit 2006 mit dem typografischen Kompendium Fraktur mon Amour, ehe sie zwei Jahre später ihr literarisches Debüt Blau steht dir nicht vorlegte.
Judith Schalansky ist in vielen literarischen Genres zu Hause und ist sowohl mit ihren Romanen und Erzählungen sowie Hörbüchern und Theateradaptionen bekannt geworden.
Ihr literarisches Werk wurde mit vielen Preisen und Auszeichnungen bedacht, darunter mit dem Preis der Literaturhäuser (2014), dem Droste-Preis der Stadt Meersburg (2015), dem Wilhelm-Raabe-Literaturpreis (2018) für ihr bislang letztes Buch Verzeichnis einiger Verluste und 2019 erhielt sie den Sarah-Samuel-Preis für Kurzprosa, der erstmals in Salzburg vergeben wurde.

Judith Schalansky hat mehrere ihrer Bücher, die ihr regelmäßig Designpreise einbringen, selbst gestaltet. So wurde sowohl ihr Atlas der abgelegenen Inseln als auch ihr zwei Jahre später erschienener Bildungsroman Der Hals der Giraffe mit dem 1. Preis der Stiftung Buchkunst bedacht.
Schalanskys Bücher wurden in mehr als 20 Sprachen übersetzt.

Porträt von Elisabeth Orth

Elisabeth Orth © divina.at

Im Rahmen der feierlichen Matinée wird die bekannte Schauspielerin Elisabeth Orth eine Auswahl an Briefen, Prosa und Lyrik aus dem Werk der Christine Lavant lesen, die beiden Musiker Edgar Unterkirchner am Saxofon und Tonč Feinig am Piano werden sie begleiten und die 90-minütige Preisverleihung umrahmen.

Christine Lavants einzigartiges literarisches Werk mit seinen mehr als 1700 Gedichten und 1200 Seiten Prosa ist in oft geradezu rauschhaften, hochkonzentrierten Arbeitsphasen entstanden. Dabei zählt vor allem Lavants Lyrik zum Eigenständigsten und Besten, das im 20. Jahrhundert in deutscher Sprache geschrieben wurde.
Als große Prosa-Autorin ist die Dichterin von einer breiten Öffentlichkeit noch zu entdecken.
Sie erzählt hinreißend von dem, was sie am besten kennt: von verletzten Kinder- und Frauenseelen, von den feinen und weniger feinen gesellschaftlichen Unterschieden, von Armut, Krankheit und Ausgrenzung, Bigotterie und Gewalt, aber auch von der befreienden Kraft der Liebe und der Fantasie.

Der Preis – gestiftet von der Internationalen Christine Lavant Gesellschaft – wird auf Vorschlag einer Jury an Personen vergeben, die in deutscher Sprache schreiben und die von der Öffentlichkeit bereits als wichtige literarische Stimmen wahrgenommen wurden.

Die bisherigen Lavant-Preisträger/innen waren die deutsche Schriftstellerin Kathrin Schmidt im Jahr 2016, der österreichische Autor Bodo Hell, der Schweizer Schriftsteller Klaus Merz und 2019 die deutsche Autorin Angela Krauß. Der/die Lavant-Preisträger/in 2020 wird am 1. Oktober bekannt gegeben.

Porträt von Christine Lavant

Christine Lavant © Ernst Prokop

Dem diesjährigen Literarischen Beirat und der Jury gehören die Schriftstellerinnen Friederike Mayröcker und Kathrin Schmidt, die Literaturwissenschaftlerin und Literaturkritikerin Daniela Strigl und der Professor an der Hochschule der Künste Bern und Mitglied des Literaturclubs des Schweizerischen Fernsehens Thomas Strässle an, ferner Karl Wagner, zuletzt Germanistikprofessor an der Universität Zürich, und Klaus Amann, der Gründer und langjährige Leiter des Robert-Musil-Instituts der Universität Klagenfurt und Herausgeber der vierbändigen Werkausgabe.

Daniela Strigl, die die Laudatio auf Judith Schalansky halten wird, zur Begründung der Jury:
„Judith Schalansky gehört zu den eigenwilligsten undwandlungsfähigsten Stimmen der deutschsprachigen Literatur. Mit ihren Romanen, Erzählungen und kulturhistorischen Essays, aber auch als Herausgeberin der „Naturkunden“ betreibt sie eine Form der Welterkundung voll Neugier und Enthusiasmus für das Entlegene und Besondere. Ihr kritischer Blick gilt dem Zusammenhang von Politik, Macht und Wissen, den Festlegungen auf Geschlecht und Charakter und nicht zuletzt der menschlichen Überheblichkeit angesichts der malträtierten Natur.“

Moderation: Martin Traxl

Der geplante Empfang mit den Künstler/innen im RadioCafe kann aufgrund der derzeitigen COVID-19-Situation nicht stattfinden.

In Zusammenarbeit mit der Internationalen Christine Lavant Gesellschaft in Wien.

Info

Christine Lavant
Christine Lavant Gesellschaft