ORF Klangtheater

ORF Klangtheater © Vedran Pilipović

Ö1 Klassik-Treffpunkt: Melanie Unseld

Gastgeber Helmut Jasbar spricht mit der Kulturwissenschafterin Melanie Unseld über Musik als Erinnerung.

Seit 2016 ist Melanie Unseld Professorin für Historische Musikwissenschaft an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien. Zuvor führte sie eine Professur für Kulturgeschichte der Musik an die Carl von Ossietzky Universität Oldenburg, wo sie von ab 2009 auch Direktorin des Interdisziplinären Zentrums für Frauen- und Geschlechterforschung war. In den Jahren 2015 bis 2016 leitete sie die Fakultät als Dekanin. Als Hochschulprofessorin in Wien wurde sie 2019 zum korrespondierenden Mitglied der Österreichischen Akademie der Wissenschaften gewählt. Melanie Unseld beschäftigt sich zur Zeit mit Musik als Erinnerung.

Viele Menschen verbinden mit Liedern, Songs oder musikalischen Motiven Erinnerungen an besondere Momente. Musik kann, ganz allgemein gesprochen, ein Gefäß für Erinnerung sein. Und wer Musik komponiert, macht sich diesen Effekt gerne zunutze. Viele musikalische Formen spielen mit dem Wiederhören und Wiedererkennen von bereits Gehörtem: greifen es auf, zitieren es, verändern oder wiederholen es. Auf diese Weise sind Musik und Erinnerung eng aufeinander bezogen, im kleinen wie im großen. Denn Kanon und Repertoire basieren darauf, dass Werke immer wieder aufgeführt, immer wieder gehört und so auch als Baustein einer kulturellen Identität wahrgenommen werden. Musik als Erinnerung: ein Thema, das sowohl persönliche Facetten in sich trägt, als auch auf die große Frage zielt, welche Musik in welcher Gemeinschaft als ,Erinnerungsort' wahrgenommen wird.