Regisseur Alfred Ninaus

Alfred Ninaus (c) RANFILM

Joanneums-Gespräche: Filmland Steiermark

Vergangenheit, Gegenwart und ein Ausblick in die Zukunft

Mit dem österreichischen Film verbindet man vor allem Namen wie Michael Haneke, Ulrich Seidl, Ruth Beckermann oder Stefan Ruzowitzky. Man denkt an das Filmschaffen in Wien, das in den letzten Jahrzehnten gerade im dokumentarischen und experimentellen Bereich international Geltung erlangt hat.

Doch auch in der Steiermark gibt es seit einigen Jahrzehnten eine lebendige und vielseitige Filmszene. National und international bekannte steirische Filmschaffende verzeichnen erstaunliche Erfolge, Produktionsfirmen aus dem In- und Ausland schätzen die Steiermark als teils spektakulären Drehort und renommierte Filmfestivals wie die Diagonale rücken Graz und die Steiermark alljährlich ins Zentrum des österreichischen Filmschaffens.

Doch die Anfänge des "Filmlandes Steiermark" reichen weiter zurück: Noch bevor es eine nennenswerte steirische Filmproduktion gab, diente das Land als Kulisse für deutsche und Wiener Produktionen. Zwar finden sich vor 1945 zaghafte Spuren einer heimischen Filmproduktion, doch erst in der Besatzungszeit wurde Graz zur "Filmstadt an der Mur". Zwischen 1947 und 1953 führten in "Thaliwood" etwa Curd Jürgens und Franz Antel Regie – besonders bekannt wurde die Schweizer Produktion "Die Vier im Jeep" von Leopold Lindtberg (1951). Für den höchstwahrscheinlich erfolgreichsten deutschsprachigen Film aller Zeiten ‒ "Der Förster vom Silberwald" (1954), angeregt und finanziert von Franz Mayr-Melnhof ‒ wurde ebenfalls in der Steiermark gedreht.

Letztlich war es eine neue Generation an Filmschaffenden und -interessierten im Filmreferat des Forums Stadtpark sowie die steirischen Filmautor:innen Alfred Ninaus, Maria Knilli, Willi Hengstler u.a., die zwischen den 1970er und 1990er Jahren neue Wege abseits des Altbekannten betraten. Die von ihnen ausgehenden Impulse, neue Ausbildungsmöglichkeiten im Film- und Fernsehbereich an der Grazer Ortweinschule, vor allem aber ein Umdenken der Kulturpolitik, die in der Förderung steiermarkrelevanter Film- und Fernsehproduktionen eine Notwendigkeit erkannte, haben wesentlich dazu beigetragen, dass sich die Steiermark als Filmland etablieren konnte.

Ab den 2000er Jahren erlebten "steirische" Filme geradewegs einen Boom. Michael Ostrowski und Michael Glawogger legten den Kultfilm "Nacktschnecken" (2004) vor, dem eine Reihe von weiteren ähnlich gebauten Filmen folgten, die große Erfolge in Kino und Fernsehen erzielten. Heute betritt eine neue Generation von jungen Filmemacher:innen wie Milena Czernovsky und Lilith Kraxner die Szene und reüssiert bei internationalen Filmfestivals.

Gemeinsam unternehmen wir Rückblicke in die Vergangenheit, eine Bestandsaufnahme der gegenwärtigen Szene und einen Ausblick in die Zukunft des steirischen Filmschaffens.

Es diskutieren:
Alfred Ninaus, Filmregisseur
Dieter Pochlatko, Filmproduzent
Peter Schernhuber, Festivalleitung Diagonale, Festival des österreichischen Films
Lotte Schreiber, Filmemacherin und Künstlerin
Stefanie Weberhofer, Filmemacherin und Kinokünstlerin
Karl Wratschko, Kurator, Filmemacher und Kunstschaffender

Moderation:
Wolfgang Popp

Eine Veranstaltung in Kooperation mit dem Universalmuseum Joanneum.