(c) Ingo Pertramer
Live@RKH: Kreisky
MI | 29 04 2026 | 20:00 Uhr
Großer Sendesaal
Eintritt: EUR 21,–
Ermäßigungen:
ORF RadioKulturhaus-Karte 50%, Ö1 Club 15%
VIDEO-LIVESTREAM
ORF III-Aufzeichnung
Gegründet wurden Kreisky von Sänger Franz Adrian Wenzl – der vielen, vor allem auch unserem Publikum inzwischen als Austrofred ein Begriff sein dürfte – und dem Gitarristen Martin Max Offenhuber im Jahre 2005. Bassist Gregor Tischberger und Schlagzeuger Klaus Mitter komplettierten das Line-up. 2017 ging Gregor Tischberger in den verdienten Vorruhestand und Helmuth Brossmann vervollständigt seitdem die Band.
Bereits mit ihrem selbstbetitelten Debüt bewies die Band, dass es durchaus möglich ist, deutsche Sprache und Rockmusik auf originelle Art und Weise zu verbinden, ohne dabei in die Klischees des herkömmlichen Deutschrocks zu verfallen. Um dem musikalischen Einheitsbrei zu entfliehen, besinnen sich Kreisky auf die eigenen Möglichkeiten und Qualitäten und rocken, was das Zeug hält. Was für ein Gegensatz: Wo das vorletzte Kreisky-Album, "Blitz" (2018), den traditionell rotzigen Bandsound in Richtung Pop weiterdachte und das letzte, die fast schon optimistische Coming-of-Age-Platte "Atlantis" (2021), mit seinem knallbunten Cover Jugend und Naivität feierte, da offeriert uns die Band nun mit "Adieu Unsterblichkeit" eine ausgesprochen finstere Liedersammlung.
Vom vorab veröffentlichten "Was ist das für eine Welt" aus dem gleichnamigen "Tatort" (in dem die Band auch zu sehen war) über den Kannibalen-Torch-Song "Fressen" bis zum Radspur-Roadmovie "Die Pedale", der in zwei Minuten monolithischer Wucht endet, bilden diese Lieder Momente der bitteren Erkenntnis ab, dunkle Geheimnisse, Epiphanien des Schlechten, Kipppunkte ins Böse.
"Adieu Unsterblichkeit" ist eine Reise ins Herz der Finsternis und damit, wenn man so will, kathartische Musik zur verschissenen Zeit. Einmal mehr begeistert es, wie Kreisky angespitzten Kunst-Rock, existenzielle Inbrunst und verbale Giftigkeit auf eine so überwältigende Art vereinen, dass sie dem säkularisierten Musikfreund die Sonntagsmesse ersetzen. Ein Novum auf "Adieu Unsterblichkeit" ist dabei, wie schnell und nachdrücklich die Band das Register wechseln kann.
So stehen beim zwischen Wehmut und Wehleidigkeit pendelnden Titeltrack verspulte Pop-Abstraktion und rücksichtslose Ekstase Rücken an Rücken, "Geh mir aus der Sonne" schaltet von Mathrock zu blumigen Sixties-Tapezierungen und wieder retour und "Was ist das für eine Welt" wechselt über seine acht krautrockigen Minuten ohnehin mehrfach die Gänge.
Zelebriert wird die Kreisky-Messe im klassischen Rock-Line-up: Schlagzeug (laut: Klaus Mitter), Bass (ebenfalls laut: Helmuth Brossmann), Gitarre (sehr laut: Martin Max Offenhuber), Gesang (kein bisschen leise: Franz Adrian Wenzl). Und das, auch nach mittlerweile zwanzigjähriger Bandgeschichte, mit allem nötigen und angemessenen Radau. Kreisky 2026, das ist eine einzigartige und unersetzliche Band am Höhepunkt ihrer Kunst.
In Kooperation mit The Gap und FM4.
ORF III-AUFZEICHNUNG
Es wird darauf hingewiesen, dass die Veranstaltung aufgezeichnet wird und die Aufzeichnung zeitlich, örtlich und sachlich unbeschränkt genutzt werden kann.
