Markus Meyer

(c) privat

Under the Surface: "Das Verhängnis der Darnaways"

Vier legendäre Ermittlerfiguren, vier Sternstunden des klassischen Kriminalromans: In der Reihe präsentiert Burgschauspieler Markus Meyer diese Saison die berühmtesten Detektivinnen und Detektive der Literaturgeschichte in jeweils einer ihrer profiliertesten Erzählungen. Diesmal: Pater Brown

Auf dem düsteren Schloss der Adelsfamilie Darnaway scheint die Zeit stillzustehen. Laut einer alten Chronik liegt ein tödlicher Fluch auf dem Geschlecht: Jeder siebte Erbe sei verdammt, ein mörderisches Ende zu nehmen. Als der junge Lord aus den Kolonien zurückkehrt und die unheimliche Ähnlichkeit mit einem Ahnenporträt die Familie in lähmenden Aberglauben stürzt, ist Pater Brown als seelsorgerischer Beistand vor Ort. Er beobachtet schweigend aus dem Hintergrund. Als der Schlossherr schließlich in einem von innen verschlossenen Raum tot aufgefunden wird, bricht Panik aus. Doch während alle an das Wirken des Fluchs glauben, sucht der unscheinbare Priester nach den sehr realen, irdischen Abgründen des Falls.

Die 1925 verfasste Erzählung ist ein Paradebeispiel für G. K. Chestertons literarisches Meisterstück: das Spiel mit dem klassischen Schauerroman. Chesterton baut eine tiefdunkle Gruselatmosphäre um eine vermeintlich übernatürliche Tat auf, nur um den Aberglauben am Ende radikal zu demontieren. Pater Brown fungiert hier als unerschütterlicher Vertreter der Logik und beweist, dass das wahre Böse kein metaphysischer Fluch ist, sondern das Resultat eiskalter Berechnung. Da dieser außergewöhnliche Fall im Gegensatz zu vielen anderen Klassikern der Reihe nie verfilmt wurde, gilt er bis heute als weitgehend unentdecktes Juwel im Werk Chestertons.